Mobile Pferdezahnpraxis

Keep in Balance-Keep in Motion

Zahnbehandlung in Anbetracht der Biomechanischen Aspekte

Kiefergelenksmechanik

Da die Gelenkspfannen und Gelenksköpfe der Kiefergelenke sich je auf einer Achse befinden, können sie sich nicht unabhängig von einander bewegen. Das heisst: wenn sich z. B. das Kiefergelenk links bewegt, muss sich das Kiefergelenk rechts mitbewegen!

Die Kiefergelenke haben folgende Bewegungsmöglichkeiten:

-a) Rollen: Maul auf und zu

-b) Drehen: links/rechts, wobei dann, wenn z. B. der Unterkiefer nach links geht, das Kiefergelenk rechts eine grössere Dreh- und auch Gleitbewegung macht. Darum kauen Pferde mit Kiefergelenksschmerzen auf der schmerzhaften Seite (weniger Bewegung des Gelenkes)!

-c) Vor/zurück: Die Position des Unterkiefers wird durch die Position des Kopfes bestimmt. Kopf/Halsposition gestreckt: Unterkiefer in der hinteren Position. Bei gebeugter Position wandert der Unterkiefer in die vordere Stellung. Der Unterkiefer kann auch aktiv vor und zurück bewegt werden. Zahnprobleme (v. a. Zähne die zu hoch sind) beschränken diesen Mechanismus, was zu einem Problem für das ganze Pferd werden kann (CMD: CranioMandibuläreDysfunktion)!

Je nach Position des Unterkiefers, ändert sich auch der Rahmen der seitlichen Bewegungsmöglichkeit:

a) Unterkiefer hinten: Weniger seitliche Auslenkung möglich.

b) Unterkiefer vorne: Mehr seitliche Auslenkung möglich.

Die Kiefergelenke sind wenig stabile Gelenke. Ihre Führung geschieht muskulär. Vor allem die sekundären Maulöffner (Hals-/Nackenmuskeln) sind an der Steuerung des Unterkiefers beteiligt.

Verhältnis Schneidezähne/Backenzähne

Wenn die Schneidezähne Kontakt haben, haben die Backenzähne keinen Kontakt und umgekehrt!

Die länge der Schneidezähne definiert so den frühst möglichen Zeitpunkt, ab wann die Backenzähne bei der lateralen (nach aussen) Auslenkung Kontakt kriegen.

Sie stehen somit in einem Verhältnis zueinander. Dieses nennt man auch LOT (Lateraler Okklusionstest) oder LETS (Lateral Excursion Till Separation)

Kauen

Beim kauen bewegt das Pferd den Unterkiefer nach unten und aussen, wieder hoch und anschliessend mit Kraft zurück (= 1 Kauschlag). Ein Pferd führt ca. 11 Kauschläge pro 10 Sekunden aus.

Das Kauen von Futter dient der Zerkleinerung. Durch die Zerkleinerung wird die Verdauung des Futters stark beschleunigt, da die Oberfläche vergrössert wird. Das ermöglicht den "Verdauungssäften" einen besseren Zugang (Eine Schlange braucht Wochen/Monate um den "Bissen" zu verdauen, bei einem Pferd dauert die Passagezeit ca. 2 Tage).

Pferde können langhalmiges Futter (Gras/Heu/Silage) nicht mit den Zähnen direkt zerquetschen/zerreissen, sie müssen es zermahlen.

Dazu werden die Halme entlang der Backenzahnreihe angeordnet und durch die Kaubewegung, von aussen nach innen, zu einer Spindel gedreht.

Die Lage der Futterspindel wird durch die Zunge und Backe zwischen den Zahnreihen stabilisiert.

Der Winkel zwischen den zwei Backenzahnreihen dient:

a) der Oberflächenvergrösserung

b) der Kraftverstärkung (schiefe Ebene)

Durch die Kauschläge bildet sich eine Spindel, welche von vorne nach hinten schmaler wird.

Durch das gegeneinander verdrehen der Fasern werden diese zerrissen und nach hinten immer kürzer. Die kleinen Stücke werden schlussendlich geschluckt.

Den Weg den die Futterspindel dabei begeht, nennt man auch Axialflow. Hohe Zähne z. B. stören/verhindern diesen.